Corina, 08/16

Corina Samow am 15. August 2016 um 06:20 Uhr

(Siegerin auf der Langstrecke)
Relativ kurzfristig hatten wir uns entschieden an der Heraklidenschlacht teilzunehmen. So richtig viele Infos gab es über diesen Lauf nicht und auch auf der Website waren die Infos eher mager. Na gut dann nehmen wir die 25km damit wir die vollen 130 Hindernisse haben. Die Wochen vor dem Lauf waren Sebastian und auch ich total erkältet, sodass wir beide fast 2 Wochen so gut wie kein Training hatten. Naja wir lassen es locker angehen und so ein kleiner Lauf in der Pampa, von dem man noch nicht viel gehört hatte kann einem ja nicht viel ausmachen, das wird schon nicht so schlimm werden. Wir hatten mit ein paar Strohballen und kleineren Hindernissen gerechnet. So weit so gut… Hanne hat sich am Tag vorher noch entschlossen sich nachzumelden und mit uns in die Schlacht zu ziehen.
In Uelzen angekommen haben wir Nico getroffen, mit dem wir schon einige Rennen gemeinsam bestritten haben und haben ihn spontan mit ins Team aufgenommen. Also waren wir nun zu viert am Start und wollten es locker angehen lassen, da wir erkältungsmäßig noch leicht angeschlagen waren. Es wurde relativ schnell klar dass dieser Lauf nicht nur mit Strohballen gespickt war sondern die Hindernisse eine Qualität hatten die man in Deutschland bei anderen Läufen meist vergebens sucht. Die ersten 4 Kilometer blieben wir zusammen, es lief erstaunlich gut, viel viel besser als erwartet, also zogen Sebastian und ich allein weiter und machten nun etwas mehr Tempo. Teilweise glich die Strecke einer Schnipseljagt und man musste die Hinweise auf den weiteren Weg förmlich suchen, mal markierte Sägespäne den Weg, mal ein Fähnchen im Baum oder auch nur ein Pfeil auf den Asphalt gemalt… manchmal dachten wir das könne unmöglich der richtige Weg sein, da weit und breit niemand ausser uns zu sehen war, aber irgendwann kam dann wieder eine Markierung, ein freundlicher Helfer oder einfach das nächste Hindernis. Es gig über Felder, durch schmale nicht wirklich erkennbare Pfade, durch Brennnesselfelder und immer wieder durch Wasser, Wasser und noch mehr Wasser. Es wurde gehangelt, gekrabbelt, geklettert, balanciert und geschwommen. Es gab wirklich nichts was es nicht gab. Irgendwann auf einem Feld mit riesigen Strohballenpyramiden rief jemand: „Hey, da ist ja die erste Frau“… Ich dachte: „Meinen die mich?“ schaute mich kurz um, vor mir war keine Frau und hinter mir - ein paar Pyramiden weiter hinten die Dame die ich kürzlich überholt hatte. Ok - das wird wohl ein Irrtum sein. Einige Hindernisse später hörte ich wieder jemanden sagen da ist die erste Frau, ich war erstaunt, also stimmte das wohl. Läuferisch war mir die zweitplatzierte immer dicht auf den Fersen, da hätte ich wohl oder übel letzten Endes den kürzeren gezogen. Immer wenn lange Laufstrecken kamen war sie wieder direkt hinter mir - an den Hindernissen konnte ich mir jedoch immer etwas Luft verschaffen. Zu meinem Glück kamen gegen Ende erst die geballten Hindernisparcours. Auf dem Schlachtfeld welches wir schon mal bestreiten mussten bekam ich am Trojanischen Pferd einen Wadenkrampf der sich gewaschen hatte, sowas kannte ich bis dato überhaupt nicht. Nachdem ich kurz gegangen war konnte ich locker wieder antraben. Ab jetzt war es nur noch Kampf gegen den Krampf… Sebastian und ich haben uns immer wieder gegenseitig aufgemuntert, bloß nicht aufgeben es sind nur noch 2 Kilometer… die aber waren gefühlt endlos. Ein großer Hindernisparcours auf dem Marktplatz, der einem noch mal alles abverlangte. Klettern, immer wieder rauf und runter. Über Mauern, Container, Paletten mit Pflastersteinen, LKW und diverse andere Dinge die man überwinden musste, rauf auf Rampen, lange Hangelhindernisse. Zum Schluss ging es immer wieder runter in den Kanal unter Brücken durch, durch totale Finsternis und wieder raufklettern… dann endlich war der Parkplatz in Sicht… Wir zogen noch mal das Tempo etwas an - krabbelten ein letztes mal durch die Betonröhre direkt über die Ziellinie. Geschafft! Ich bin tatsächlich als erste Frau auf der 25km Distanz durchs Ziel gekommen. Wahnsinn.
Sebastian ist eine 10tel Sekunde vor mir ins Ziel und hat sich damit zu Recht im Gesamtfeld mit Platz 27 vor mir platzieren können. Hanne ist gemeinsam mit Nico ins Ziel gelaufen und ist 4. bei den Frauen geworden. 
Man was für ein Lauf. Von der Qualität der Strecke sowie Hindernisse muss sich dieser kleine Lauf wirklich hinter keinem der großen verstecken. Hut ab für die Veranstalter, die etwas wirklich großartiges geschaffen haben. Wir kommen wieder, soviel steht fest!